veröffentlicht am Freitag, 27.01.2017

Wiler Nachrichten


POLITTALK von Erwin Böhi ( Wiler Nachrichten 26.01.2017 )

Erleichterte Einbürgerung 

Am 12. Februar stimmen wir über die erleichterte Einbürgerung der «dritten» Ausländergeneration ab, wie sich die Vorlage nennt. Beim genauerem Hinsehen stellt man fest, dass die Vorlage nicht das ist, was sie vorgibt und die Erläuterungen im Abstimmungsbüchlein Halbwahrheiten enthalten. Das ist umso bedenklicher, als sich wohl viele Stimmberechtigte für ihre Meinungsbildung darauf verlassen was dort steht. Das weiss man natürlich auch in Bundesbern und man benutzt diese Erläuterungen oft, so auch bei dieser Vorlage, um Abstimmungspropaganda zu betreiben anstatt objektiv zu informieren.

Zum einen wird der Begriff «dritte Generation» missbraucht. Im Allgemeinen versteht man darunter ein in der Schweiz geborenes Kind, dessen Grosseltern und Eltern ebenfalls in der Schweiz geboren wurden und seither hier wohnten. Gemäss der Abstimmungsvorlage muss jedoch lediglich das Kind in der Schweiz geboren sein, die Grosseltern und die Eltern aber nicht unbedingt. Zudem heisst es im Abstimmungsbüchlein, die dritte Ausländergeneration sei in der Schweiz bestens integriert. Diese Verallgemeinerung ist falsch, denn gerade bei den Nachkommen der Einwanderer gibt es vermehrt Tendenzen zur Abgrenzung, die im Extremfall auch in der religiösen Radikalisierung zum Ausdruck kommen kann.

Wer sich einbürgern lassen will sollte weiterhin das übliche Verfahren absolvieren müssen und auch den Tatbeweis zur Integrationsbereitschaft erbringen. Im Übrigen gibt es für jugendliche Einbürgerungsinteressierte bereits Erleichterungen, indem die zwischen dem 8. und dem 18. Lebensjahr in der Schweiz verbrachten Lebensjahre doppelt angerechnet werden. Darum Nein zur unredlichen und unnötigen Einbürgerungsvorlage.

Wiler Nachrichten vom Donnerstag, 26. Januar 2017