«Kein Rücktritt!»: SVP-Nationalrat Lukas Reimann kandidiert für den Wiler Stadtrat

Tagblatt, Davide De Martis (SVP-Nationalrat Lukas Reimann kandididert für den Wiler Stadtrat)

Der St.Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann geht gerne eigene Wege. Nun hat der dienstälteste St.Galler Bundesparlamentarier nach 19 Jahren im Amt erneut einen überraschenden Pfad eingeschlagen: Der 43-jährige Jurist kandidiert für den Wiler Stadtrat.

Was sind die Gründe für Ihre Kandidatur für den Wiler Stadtrat?

Lukas Reimann: Wil ist meine Heimat. Hier bin ich aufgewachsen, hier lebe ich – und genau deshalb kandidiere ich für den Stadtrat. Für ein lebenswertes Wil übernehme ich gerne Verantwortung. Es ist eine Herzensentscheidung. Ich sehe, wie sich unsere Stadt verändert. Die Kosten steigen, viele Menschen machen sich Gedanken um Sicherheit und Zukunft. Ich bin überzeugt: Wir können das besser machen.

Nach fast 19 Jahren in Bundesbern wollen Sie in die lokale Exekutive wechseln. Kürzlich sagten Sie noch, Sie wollten nochmals für den Nationalrat kandidieren. Weshalb haben Sie sich umentschieden?

Es ist eine bewusste Entscheidung für Wil und für konkrete Verantwortung. Wiler Stadtpolitik ist sehr direkt: Man kann sich nicht hinter allgemeinen Debatten verstecken, sondern muss Lösungen erarbeiten, Prioritäten setzen und Entscheide auch umsetzen. Genau diese Verantwortung reizt mich. Wer in seiner Heimatstadt Verantwortung übernehmen will, stellt sich nicht auf eine Bühne, sondern in den Dienst der Bürgerinnen und Bürger. In Wil geht es nicht um Schlagzeilen, sondern um tragfähige Lösungen für die Bevölkerung, für das Gewerbe und für die städtische Entwicklung. An diesen konkreten Aufgaben muss man sich messen lassen – und genau dazu bin ich bereit.

Wie wollen Sie sich in Wil einbringen?

Ich kenne alle politischen Ebenen sehr gut: Als Kantonsrat und als Nationalrat habe ich Kräfte gebündelt, Verbündete gefunden und Allianzen geschmiedet und damit konkrete Verbesserungen erzielt. Als Stadtrat möchte ich meine Kompetenzen und Erfahrungen, mein Netzwerk und meine ganze Schaffenskraft für Wil einsetzen. Die Erfahrung aus Bern nützt Wil – aber sie ersetzt nicht die Pflicht, vor Ort gute und solide Arbeit zu leisten.

Weshalb wollen Sie in die Wiler Stadtexekutive und nicht etwa in die St.Galler Regierung, in der die SVP schon lange einen zweiten Sitz anstrebt?

Wir haben durch den Rücktritt von Hans Mäder eine Vakanz im Wiler Stadtrat – jetzt sind keine Regierungsratswahlen. Ich möchte mich in Wil sachlich, lösungsorientiert und bürgernah einbringen. Für mich ist entscheidend, dass eine Stadt ihre Kernaufgaben gut erfüllt: solide Finanzen, Sicherheit im öffentlichen Raum, eine funktionierende Infrastruktur, gute Bildung und eine Verwaltung mit Augenmass.

Hans Mäder ist der Stadtpräsident von Wil: Wollen Sie in den Stadtrat oder streben Sie das Amt des Stadtpräsidenten an?

Ich kandidiere für den Stadtrat. Wen die SVP für das Stadtpräsidium unterstützt oder ob wir mit einem eigenen Kandidaten antreten werden, entscheiden wir Ende Monat.

Sie sind der amtsälteste St.Galler Bundesparlamentarier: Wie blicken sie auf Ihre Zeit zurück?

Ich bin mit 43 Jahren auch der drittjüngste St.Galler Bundesparlamentarier. Für Memoiren ist es definitiv zu früh.

Was möchten Sie bis zu Ihrem Rücktritt noch erreichen?

Ich kandidiere für den Stadtrat in Wil. Das ist ein Angebot an die Wiler Bevölkerung. Kein Spaziergang. Und auch kein Rücktritt! Mein starkes, breit abgestütztes Team und ich – wir werden jetzt Tag und Nacht präsent sein und um jede Stimme kämpfen. Ich freue mich auf spannende Monate bis zur Wahl in Juni und viele Begegnungen mit den Wilerinnen und Wilern. Dann schauen wir weiter.

Warten Sie das Ende der Legislatur ab oder wollen Sie bereits vor Ende der Legislatur zurücktreten und Platz für Ihren Listennachfolger, Kantonsrat Marco Gadient, machen?

Darüber können wir diskutieren, wenn ich gewählt bin.

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