«Meine Priorität liegt auf Wil, nicht auf Bern»: Warum SVP-Nationalrat Lukas Reimann in den Stadtrat will

Tagblatt, Andrea Häusler (Lukas Reimann kandidiert für den Stadtrat Wil)

Die SVP will ihren 2024 verlorenen Sitz im Wiler Stadtrat zurückholen und setzt dafür auf Nationalrat Lukas Reimann. Während sich das Kandidatenfeld bis Anfang April weiter formiert, zeichnet sich ein offener Wahlkampf ab – mit einer entscheidenden Frage: Wer bringt seine Wählerschaft am 14. Juni am besten an die Urne?

2024 verlor die SVP ihren Sitz im Stadtrat: Ursula Egli scheiterte im zweiten Wahlgang an der Wiederwahl. Ein herber Rückschlag für die wählerstärkste Kraft im Wiler Stadtparlament. Nun wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Sitz im Stadtrat frei, da Stadtpräsident Hans Mäder zurücktritt und die amtierenden Stadträte Jigme Shitsetsang (FDP) und Andreas Breitenmoser (Mitte) für das Präsidium kandidieren.

Die Chance, in die Exekutive zurückzukehren, nutzt die SVP nun offensiv: Am Montagabend nominierte sie ihren Nationalrat, Lukas Reimann. Der 43-jährige Jurist ist nach der Nomination von Thomas Abbt (Mitte) der zweite Kandidat, der sich um einen Sitz im Stadtrat, nicht aber um das Stadtpräsidium bewirbt. Zumindest vorerst, denn das Kandidatenkarussell dreht sich bis zum 2. April weiter.

Bereits als wahrscheinlich gilt die Kandidatur von Michael Sarbach (Grüne Prowil), der sich auf seiner Website als «sehr motiviert» für das Amt bezeichnet. Ob er lediglich für den Stadtrat oder auch für das Stadtpräsidium antritt, dürfte gemäss Recherchen dieser Zeitung bis Ende Woche bekannt werden.

«Ich bin topfit, mache Sport, bin gesund»

Lukas Reimann ist Politiker durch und durch. Seine Laufbahn startete früh und gewann rasch am Tempo: 2004 zog er 21-jährig in den St.Galler Kantonsrat ein, drei Jahre später folgte die Wahl in den Nationalrat, dem er bis heute angehört.

Dass der Schritt in die Kommunalpolitik ein Rückschritt sei, weist er zurück. Ebenso wenig habe der Entscheid mit einem möglichen Kürzertreten im Zusammenhang mit seinem Zusammenbruch im Herbst 2022 im Nationalratssaal zu tun. «Ich bin topfit und voll einsatzfähig.», sagt er.

Die Kandidatur sei vielmehr ein bewusster Schritt nach vorn.
«Bern ist weit weg vom direkten Puls der Bevölkerung», sagt er. Die Exekutivarbeit in Wil ermögliche ihm dort Einfluss zu nehmen, wo Entscheide den Alltag direkt prägen. Ebenso reize ihn die Verantwortung für seine Wohngemeinde, die ihm stets viel Unterstützung gegeben habe. «Ich bin überzeugt, dass ich mit meiner Erfahrung und meinem grossen Netzwerk dazu beitragen kann, die Stadt voranzubringen.»

Reimann spricht von «tragfähigen Lösungen» in verschiedenen Bereichen. Wobei der Fokus auf nachhaltigem Wachstum, guten Rahmenbedingungen für das Gewerbe, einer ausgewogenen Mobilität, guten Schulen und soliden Finanzen liegt – dies bei einer moderaten Steuerbelastung.
Nein, sagt er, den Bezug zu Wil habe er über die Jahre im Bundeshaus nicht verloren. «Es war nie nur mein Wohnort neben der Bundespolitik, sondern stets ein konkreter Bezugspunkt meiner politischen Arbeit.» Dies spiegle sich auch in seinen Vorstössen – etwa zu Wil West oder zu attraktiveren Bahnanschlüssen.

Wahlkampf wird kein Spaziergang

Wer in Bern politisiert, steht im öffentlichen Schaufenster – und damit auch im Fokus der Kritik. Darauf angesprochen sagt Lukas Reimann: «Die Medien schreiben viel.» Er stehe für eine unabhängige, transparente Politik und wehre sich gegen Filz. Ein klarer politischer Stil könne mitunter eben auch konfrontativ sein. Als Individualist oder Einzelkämpfer sehe er sich jedenfalls nicht: «Im Nationalrat lassen sich Vorhaben nur über Allianzen und in Teamarbeit durchsetzen.»

Bekanntheit sei kein Garant für Wahlerfolg, sagt Reimann, der sich bewusst ist: «Der Wahlkampf wird kein Spaziergang.» In den kommenden Wochen werde er deshalb präsent sein, auf die Strasse gehen und das Gespräch mit der Bevölkerung suchen. Die Ausgangslage sei für alle bisher Kandidierenden gut – entscheidend werde letztlich die Mobilisierung sein. «Es wird letztlich wohl auf jede Stimme ankommen.»

«Schuster, bleib bei deinem Leisten»

Sollte er am 14. Juni gewählt werden, würde Reimann aus dem Nationalrat zurücktreten, obwohl ein Doppelmandat rechtlich zulässig wäre. Den Zeitpunkt lässt er offen. «Meine Priorität liegt auf Wil», sagt er und ergänzt mit Nachdruck: «Die Kandidatur ist mir Ernst, ich möchte dieses Amt übernehmen.»

Kommt es anders, bliebe er Nationalrat – «mit Elan und Freude», wie er betont. Und er werde sich als Jurist beruflich weiterentwickeln. Seine Kandidatur versteht er als Angebot an die Bevölkerung, allerdings klar begrenzt auf das Stadtratsamt. Mit Blick auf das Stadtpräsidium sagt er: «Schuster, bleib bei deinem Leisten.» Dieses Amt setze Exekutiverfahrung voraus und diese müsste er sich ja erst aneignen – als Stadtrat.

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