Tagblatt, Michael Nittnaus (Parlament Wil: Doppelkindergarten Städeli muss neu geplant werden)
Das Stadtparlament weist den 4-Millionen-Neubau an den Stadtrat zurück. Dieser muss nun ein mehrgeschossiges und erweiterbares Projekt ohne teures Provisorium vorlegen.
Das Wiler Stadtparlament hat auf Worte Taten folgen lassen. Nachdem es sich in der jüngeren Vergangenheit vehement beschwert hatte, bei der Schulraumplanung vom Stadtrat oft nur «Friss oder stirb»-Vorlagen serviert zu bekommen, stand eine deutliche Mehrheit am Donnerstagabend erstmals auch tatsächlich auf die Bremse. Mit 27 zu 10 Stimmen bei 2 Enthaltungen wies sie den 4,2-Millionen-Franken-Kredit für den Neubau des Doppelkindergartens im Städeli an den Stadtrat zurück.
Ausser der SP-Fraktion und vereinzelten Mitte-Parlamentariern folgte der Rest dem entsprechenden Antrag der Bau- und Verkehrskommission (BVK). Und dieser hat es in sich, wie diese Zeitung bereits berichtete . Denn er macht dem Stadtrat und damit auch dem Departement für Bau, Umwelt und Verkehr (BUV) glasklare Vorgaben. Die Verantwortlichen müssen unter anderem nochmals verschiedene Standortvarianten auf dem Städeli-Grundstück prüfen und darlegen, ob der bestehende Standort des alten Einzelkindergartens wirklich der bestmögliche ist.
Neues Projekt muss mehrgeschossig sein
Damit verknüpft ist die zweite Vorgabe, auf ein «kostspieliges Bauzeitprovisorium» zu verzichten. Im Bericht und Antrag des Stadtrats waren 450’000 Franken für ein Provisorium vorgesehen. Weiter muss die Stadt nun mehrgeschossig planen. Damit dürfte das eigentliche Siegerprojekt «Räuber und Poli» des Wiler Architekturbüros Bürge Wendel am Ende sein. Es sah ein einstöckiges Gebäude vor – in den Augen der Kritiker ein zu wenig haushälterischer Umgang mit dem städtischen Boden. Auch die nächste Vorgabe kann der Holzbau «Räuber und Poli» nicht erfüllen: «Eine spätere Erweiterung der Anlage für eine dritte Kindergartenklasse muss möglich sein.»
Der Rückweisungsantrag der BVK stammte aus der Feder von Roger Edelmann (FDP) und Sebastian Koller (Grüne Prowil). Die schärfste Kritik in der Tonhalle äusserte aber Andreas Hüssy (SVP): «Das Projekt des Stadtrats ist überdimensioniert und verschwenderisch. Es ist kein funktionaler Zweckbau und verbraucht zu viel Fläche. Eine Rückweisung ist zwingend.»
Die Mitte wollte einen Massiv- statt Holzbau
Eine solche forderte auch die Mitte/EVP-Fraktion, dies jedoch mit einem kurzfristig eingereichten Gegenantrag zur BVK. Dieser setzte darauf, das bestehende Projekt anzupassen anstatt wieder bei Null zu beginnen. Die Vorgabe der Mitte, statt eines Holzbaus ein Gebäude in Massivbauweise zu entwerfen, sodass eine spätere Aufstockung möglich ist, irritierte allerdings einige im Saal. «So eine Änderung bedeutet auf jeden Fall auch eine Neuprojektierung und brächte keine Zeitersparnis», warnte etwa Koller. In der Ausmarchung der beiden Rückweisungsanträge obsiegte derjenige der BVK schliesslich deutlich mit 23 zu 12 Stimmen bei 4 Enthaltungen.
Komplett gegen eine Rückweisung war nur die SP, die damit auch ihrem Stadtrat Manuel Nick als Vorsteher des BUV folgte. «Das Parlament sollte nicht die Entwicklung behindern. Wenn dann hätte man viel früher intervenieren müssen. Und mit einer Rückweisung wird es auch nicht günstiger», argumentierte SP-Fraktionschef Christof Kälin vergeblich.
Stadtrat Manuel Nick fand kein Gehör
Ähnlich argumentierte auch Nick bei seinem Votum, das so lange geriet, dass der frischgebackene Parlamentspräsident Dominik Egli (SVP) zur Glocke griff, um den Stadtrat zu ermahnen. Nick warnte vor den Auswirkungen einer Rückweisung, die zu einem namhaften Abschreiber und viel Zeitverlust führe. Zudem sagte er, dass Standortvarianten bereits geprüft worden seien, die Kosten an einer anderen Ecke des Grundstücks aber eher höher würden. Immerhin machte Nick ein Versprechen: «Ein teures Provisorium ist nur unsere letzte Option. Wir suchen weiter nach anderen Lösungen.»
Das Argument der Bodenverschwendung verstehe der Stadtrat, doch habe er die betrieblichen Vorteile eines einstöckigen Kindergartens, bei dem keine Treppen oder Lifte nötig sind, höher gewichtet. Und mit noch einem Argument konnte Nick nicht zum Parlament durchdringen: Der Doppelkindergarten müsse nicht erweiterbar sein, da ein dritter Kindergarten eventuell mit dem geplanten Neubau einer Primarschule auf demselben Grundstück realisierbar wäre. «Eine komplette Neuprojektierung lässt sich nicht rechtfertigen», warnte Nick vergeblich. Nun muss der Stadtrat genau das in Auftrag geben. Der Plan, den Doppelkindergarten Städeli im Sommer 2027 beziehen zu können, dürfte damit obsolet sein.
